Tierschutzbeirat fordert Verbot des Kirrens

(19.01.2013) Die ständigen Lockfütterungen an den Hochsitzen mit Mais und anderem Getreide sind nach Auffassung des Tierschutzbeirates Rheinland-Pfalz ein wesentlicher Grund für das Überhandnehmen der Wildschweine. Das sogenannte Kirren kam Ende der 1970er Jahre in unseren Breiten allmählich auf, seinerzeit gegen erhebliche Bedenken aus Jägerkreisen, und wurde dennoch nach und nach zum Standard. Damit einher ging eine überaus starke Populationszunahme des Schwarzwildes, das inzwischen wegen massiver Wildschäden, häufiger Verkehrsunfälle und der Gefährdung der Hausschweinebestände durch die Schweinepest zu einem ernsten Problem geworden ist.
Zwar werden auch der vermehrte Energiemaisanbau und die häufigen Fruchtbildungen bei Buche und Eiche als Ursachen für das Überhandnehmen des Schwarzwildes diskutiert. Dr. Helmut Stadtfeld, Vorsitzender des Tierschutzbeirates, sieht hierin aber keine entscheidenden Faktoren: „Das Wildschwein ist kein Hamster, es legt keine Futtervorräte an. Der Mais auf den Feldern steht aber nur saisonal zur Verfügung, Bucheckern und Eicheln gibt es in manchen Jahren überhaupt nicht.“ Dagegen sei der Kirrmais in vielen Revieren ganzjährig verfügbar, sodass die Natur kaum eine Chance hat, durch einen Nahrungsengpass regulierend in die Population einzugreifen.
Zwar ist die Kirrmenge in Rheinland-Pfalz limitiert, aber auch bei Einhaltung der Vorschriften lässt sich noch eine beträchtliche Aufstockung des Nahrungsangebotes realisieren. Hinzu kommt, dass etliche Revierinhaber gegen die „Kirr-Verordnung“ verstoßen und zum Beispiel mit Getreideschüttungen, Futtertrögen oder gar mit elektronisch gesteuerten Futterautomaten versuchen, die Sauen im Revier zu halten. Stadtfeld wörtlich: „Es gibt auch sehr vernünftige Jäger, aber was vielerorts passiert, mutet an wie der Versuch, aus dem Wildschwein ein landwirtschaftliches Nutztier zu machen.“
Der Tierschutzbeirat fordert ein grundsätzliches Verbot des Kirrens und sieht in einer solchen Maßnahme eine Erfolg versprechende Stellschraube, um in puncto Schwarzwildschwemme endlich etwas zu bewegen.
„Die unnatürliche Schweinemast im Wald muss schleunigst ein Ende haben“, findet Stadtfeld. Es sei höchste Zeit, eine jahrzehntelange krasse Fehlentwicklung zu stoppen und wieder zu einem möglichst naturnahen Umgang mit dem Wild zurückzukehren.

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